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27. Dezember 2017

veröffentlicht von
Eduard Böhler

Classic Fuels Digital

Oder: wie man mit überschaubarem klassischen Budget einen Social Media Hype auslöst und es in die New York Times schafft.

Mit einer bewussten Provokation auf wichtigen Auslandsmärkten erhält WienTourismus überbordendes internationales Echo. Ein Beispiel dafür, wie man Digital und Klassik heute verschränkt. Und dafür, dass Schiele immer noch gleichermaßen geeignet ist, um Moralisten aufzurütteln und Freigeister zu inspirieren.

Wie böse ist Nacktheit 2017?

Mit der expliziten und schonungslosen Darstellung von Nacktheit sorgte Egon Schiele im Wien um 1900 für Aufregung. Doch ist seine Kunst gut 100 Jahre nach seinem Tod noch immer zu gewagt?

Aufsehenerregend -
auch in der Londoner U-Bahn sorgen die Plakate für Aufmerksamkeit.

Das Experiment

Im Zuge der Bewerbung für das Jubiläumsjahr „Wiener Moderne 2018“ wagten wir ein Medienexperiment, um die Freiheit von Kunst in unserer scheinbar aufgeklärten europäischen Gesellschaft zum Thema zu machen: Wir buchten für die Schiele-Motive Platzierungen auf Plakat oder in Tageszeitungen – und erhielten prompt die nicht ganz unerwartete Antwort von offizieller Seite:

„Die weltberühmten Akte durften sowohl in Großbritannien als auch in Deutschland nur mit verhüllten Geschlechtsteilen gezeigt werden“

Für den damit vorenthaltenen Kunstgenuss entschuldigten wir uns bei den Betrachtern mit einer Kampagne, die zur Diskussion anregte und damit auf Wien und die Wiener Moderne neugierig machte.

Wie ist das mit Doppelmoral?

Unter dem #DerKunstihreFreiheit bzw. #ToArtItsFreedom – in Anlehnung an den Wahlspruch der Wiener Secession – wurden die Reaktionen der Menschen auf allen sozialen Netzwerken gesammelt. Die internationale Presse nahm die Kampagne und die große Resonanz darauf ebenfalls zum Anlass, in die Diskussion um die Grenzen von Kunst und das Sitten- und Wertebild unserer Gesellschaft einzusteigen.

Social Media & PR Boost

Was übrig blieb: Die New York Times und die internationale Presse nahm sich des Themas genau so an wie heimische Medien. Die Diskussion in den Sozialen Medien nimmt kein Ende. Bisher wurden unter anderem 6 Mio. Social Media Impressions, 800.000 Video Views und rege Diskussion in vielen online-Foren gemessen. Ein echter Multiplikationseffekt mit medienübergreifenden Boost. Mit dem einhelligem Tenor, der wie Musik für Tourismusverantwortliche klingt: Ja, es gibt sie noch, eine weltoffene Stadt, die nicht alles so ernst nimmt, und das ist: Wien.