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25. April 2018

veröffentlicht von
Thomas Mang

Warum wir 15.000 Facebook-Fans gekauft haben?

WEIL WIR ES KÖNNEN. Und wenn wir es können, dann kann es jeder. Damit wollten WIEN NORD + NOW: demonstrieren, wie leicht es geht und wie wenig es über eine Seite aussagt. Fanzahlen haben einfach keine Relevanz mehr.

Fanzahlen werden leider immer noch viel zu oft herangezogen, um Erfolg auf Social Media zu messen und sich mit anderen Unternehmen zu vergleichen. Dabei sagt die reine Fanzahl nichts über die Qualität der geführten Seite aus. Das verhält sich ähnlich wie bei Fußball-Fanklubs. Der Klub mit dem meisten Geld hat nicht unbedingt die treuesten oder aktivsten Fans. Im Gegenteil. Oft sind es die kleineren Teams, die über die besten Fangemeinschaften verfügen.

Nur weil eine Seite viele Fans hat heißt das nicht, dass sie auch viele ihrer Fans erreicht. Seit die Social-Plattform ihren Algorithmus zugunsten privater Beiträge geändert hat, beträgt die organische Reichweite durchschnittlich nur noch weniger als 1%. Wie viele von seinen Fans man tatsächlich organisch noch erreicht, hängt von der Qualität des Contents und natürlich von der Social Media Strategie ab. Sind die Fans wirklich interessiert an der Seite, oder habe ich sie zum Beispiel nur über ein irrelevantes Gewinnspiel geködert, das sie zur einmaligen Interaktion mit der Seite gebracht hat. Die Fans haben aber eigentlich gar kein Interesse und passen vielleicht gar nicht zu meinem Unternehmen.

Kennzahlen, die mehr aussagen

Für den Erfolg und die Optimierung eines Social Media Kanals sind Kennzahlen natürlich schon berechtigt, allerdings sollten hierzu aussagekräftigere Kennzahlen als die reine Fanzahl herangezogen werden, wie zum Beispiel:

  • Die Interaktionsrate: Wie viele von den erreichten Usern mit meinem Content interagieren.
  • Organische Reichweite: Wie viele Fans erreichen meine Beiträge im Schnitt ohne Bewerbung – lässt sich bei fremden FB-Seiten leider nicht einsehen.
  • Click-Through-Rate: prozentuelles Verhältnis von Link-Klicks zur Reichweite.
  • Video-View-Rate inkl. Absprungraten: Wie viele Videoaufrufe und wann die User wegklicken.

Der Einsatz der richtigen Kennzahlen hängt aber immer von der spezifischen Zielsetzung der Seite bzw. der Kampagne ab.

Blogger Relations – Bezahlung nach Fanzahlen

Hier verhält es sich leider noch meist so, dass die Bezahlung der Blogger für Werbekooperationen sich sehr wohl nach deren Follower-Anzahl richtet.
Dabei sollte man sich nicht täuschen lassen. Auch hier gilt Follower ist nicht gleich Follower. Am besten überzeugt man sich von deren tatsächlichen Interaktionsraten und der organischen Reichweite der Blogger.

Indizien für gekaufte Fans

So erkennt man Seiten, oder Blogger, die ihre Fans mit hoher Wahrscheinlichkeit nur gekauft haben:

  • Ein sehr hoher Fan-Zuwachs in Form von zackigen Wachstumskurven oder ein temporärer Fan-Anstieg mittels „Drip-Feed“-System, d.h. ein gleichmäßiges Wachstum in einer Phase, gefolgt von einem vergleichsweise sehr geringen Anstieg in der darauffolgenden Phase.
  • die Fans kommen zum Großteil aus Ländern, die gar nicht zur Zielgruppe passen.
  • Die Profile der Follower haben kaum eine Fan-Zahl, kaum eigene Postings oder es handelt sich um private Profile.
  • Eine andere weit verbreitete Methode um die Interaktionen zu steigern, ist der Beitritt zu Engagement-Groups, in denen sich unterschiedliche Accounts zusammenschließen und per Absprache gegenseitig ihre Beiträge kommentieren. Dabei handelt es sich zwar um keine gekauften Fans, allerdings sind die Interaktionen genauso wertlos, da kein tatsächliches Interesse zu dem Account besteht und es keine echten Fans sind, sondern reine Geschäftsbeziehungen. Zu erkennen ist diese Art von Profilen oft anhand einer sehr hohen Interaktionsrate ab ca. 4-5%.

Fans aus Deutschland teurer als Fans aus Asien

Diverse Anbieter für den Kauf von Fake-Follower können – erschreckend einfach – über Google-Search gefunden werden. Mit wenigen Klicks kann die Anzahl der Fans sowie der Zeitraum definiert werden. Anschließend sind bereits innerhalb der ersten 24 Stunden erste Anstiege zu verzeichnen.
Besonders interessant war der Aspekt, dass Optionen hinsichtlich der Internationalitäten zur Auswahl standen, z.B. konnten bevorzugt Fake-Follower aus England oder Deutschland gekauft werden, allerdings sind diese im Vergleich zu Fans aus Asien teurer. Ganz zuletzt bekamen wir sogar positive Kommentare von unseren gekauften Fans. Ob dahinter ein mysteriöser Wohltäter steht, oder ein „Bonuspaket” unseres Fan-Kaufs, bleibt offen.

Der Fanvergleich muss endlich aufhören

Um aufzuzeigen, wie sinnlos die reine Betrachtung der Fanzahlen ist, haben wir mit dieser Aktion sogar riskiert, dass Facebook unsere Seite für immer sperrt.

Das haben wir gerne getan, wenn wir damit etwas bewirken konnten. Unser Ziel ist es, dass aussagekräftigere Anhaltspunkte zur Auswertung von Kampagnen oder Seiten herangezogen werden und dass Social Media das Diktat der Quantität kritisch hinterfragt.

Uns ist bewusst, dass wir uns mit dieser Aktion von unserer organischen Reichweite verabschieden können, allerdings haben wir das gerne in Kauf genommen, wenn wir dadurch zum Umdenken anregen konnten.